Traumata

In der Heimat von uniformierten Männer gefoltert, drangsaliert, geschlagen ist es kein Wunder, wenn der junge Asylbewerber Ali auf dem Hildegardisplatz bei dem Anblick eines Polizisten in Panik verfällt… Ein Beispiel für die Auswirkungen von Traumata. In Kempten leben derzeit etwa 400 Menschen, die aus ihrer Heimat flüchten mussten. „Man schätzt, etwa 40 bis 50 Prozent der Flüchtlinge sind mit Traumata behaftet, das heißt mit Verletzungen körperlicher oder seelischer Natur“, wusste Dr. Susanne Betz bei einem Infoabend des Diakonischen Werkes Kempten Allgäu für Ehrenamtliche  einige Zahlen.

S. Betz

Dr. Susanne Betz ist Traumata-Expertin und berichtete im Kreis der ehrenamtlichen Helfer des Diakonischen Werkes über die Auswirkungen. Foto: moriprint

Die Fachärztin für psychosomatische Medizin und Psychotherapie mit Spezialisierung für Traumata verschaffte den ehrenamtlichen Helfern einen Einblick in die Ursachen dieser ernst zu nehmenden Erkrankung und wie sie helfen können: „„Wenn Sie also bemerken, dass ein Asylsuchender mit Angst reagiert in einem Maß, das Sie nicht nachvollziehen können, dann versuchen Sie nicht ihn oder sie zu ermutigen, die Angst zu überwinden. Es kann ein Schutzverhalten sein, das vorerst nötig ist. Vielmehr informieren Sie Klaus Hackenberg, der bei der Einschätzung hilft, ob therapeutische Hilfe in Anspruch genommen werden sollte und bei der nötigen Beantragung hilft.“

Nicht immer ist die Lebensgeschichte  der Flüchtlinge bekannt. „Sie möchten sich dem Grauen nicht erneut aussetzen“, weiß Betz. Auf jeden Fall löse das Trauma Ohnmacht, Hilflosigkeit und Angst aus, denn „nichts ist mehr, wie es mal war“.  „Manche schalten auch ihre Gefühle ab, aus Angst vor neuen seelischen Grausamkeiten“, informierte die Trauma-Spezialistin.

Auch ist es wohl so, je früher ein Trauma einsetzt, desto manifestierter ist es, beispielsweise Missbrauch oder sonstige Gewalt in der Kindheit. „Wenn ein Bub beispielsweise zum Kindersoldaten gezwungen wird.“ Kein Wunder, dass die Suizidrate bei Flüchtlingen achtmal höher (!) als normal ist.

Was die Ehrenamtlichen im Umgang mit den Asylbewerbern tun können: „Ihnen auf Augenhöhe mit Würde begegnen“, meinte Klaus Hackenberg, Asyl-Experte im Diakonischen Werk und darüber hinaus. Dazu gehört auch die Anrede mit „Sie“. Wenn diese freiwillig von ihrem Leben erzählen, „einfach nur ein guter Zuhörer sein“. Ansonsten meinte Kerstin Goldberg, zuständig für die Koordination der Ehrenamtlichen im DW: „Flüchtlinge brauchen Stabilität. Zeigen Sie, dass Sie ein zuverlässiger Gesprächspartner sind. Machen Sie keine Versprechungen, die Sie nicht halten können.“ Sie gab den Tipp: „Teilen Sie Ihr Hobby, kochen Sie mit den Flüchtlingen, gehen Sie mit zum Einkaufen und unterstützen diese in für uns normalen Alltagsdingen.“

Und weiter meinte die Koordinatorin, direkt an die Freiwilligen gewandt: „Achten Sie bitte auch immer auf sich selbst – wenn Sie sich nicht mehr wohl fühlen im Kontakt mit einem eventuell traumatisierten Menschen, suchen Sie das Gespräch mit mir, um die Situation zu klären.“ Kempten(mori).