TAFF im Allgäu

Nein, es geht nicht um regionalen Lifestyle, sondern um ein sehr besonderes Flüchtlingsprojekt der Diakonie. Hätten Sie´s gewusst?

Das TAFF-Projekt

Es geht nicht nur um „Sattsein und ein Dach über dem Kopf“ für die Flüchtlinge: Die Stadt Kempten und der Landkreis Oberallgäu haben gemeinsam mit den Integrationsbeauftragten, der Diakonie Kempten  Allgäu und dem Caritasverband Kempten-Oberallgäu schon früh erkannt, dass diese Hilfe allein nicht ausreicht, denn immerhin sind etwa 33 Prozent von ihnen traumatisiert, knapp 22 Prozent leiden an Depressionen. Wie also kann man diesen betroffenen Asylsuchenden und Flüchtlingen möglichst schnell therapeutische Hilfe zukommen lassen? Mit „TAFF“ – therapeutische Angebote für Flüchtlinge – über die „Stiftung Welten verbinden“ soll das auch in Kempten und dem Oberallgäu gelingen.  Bei dem jüngsten Treffen des regionalen „TAFF“-Kreises wurde die Schaffung einer Koordinationsstelle beschlossen. Träger wird in der Region die Diakonie. Die Stelle wird auf zwei Teilzeitstellen á 15 Stunden aufgeteilt.

Bereits im Herbst 2014 kamen die Vertreter der verschiedenen regionalen Schnittstellen auf Einladung der Diakonie ein erstes Mal zusammen, um  gemeinsam nach Lösungen zu suchen: „Mit dem zunehmenden Flüchtlingsstrom war für uns klar, dass wir nicht nur für ein Bett und Essen sorgen müssen, sondern auch für die seelische Versorgung dieser Menschen zuständig sind“,  informierte Indra Baier-Müller. „Das ist aber nur durch zusätzliche Kräfte zu schaffen.“

Psychologe Dr. Stefan Schmid (Bild links, Moriprint) von der „Stiftung Welten verbinden“ war bei der jüngsten Sitzung in Kempten dabei. Er hat auch bereits mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zusammengearbeitet. Er informierte: „Ein Zwischenbericht von TAFF Bayern zeigt eindeutig, dass bei den psychotherapeutischen Angeboten und den Sprachmittlerdiensten für therapeutische Settings eine gravierende Unterversorgung besteht – und zwar besonders in ländlichen Regionen.“

Für Kempten und das Oberallgäu hat man nun die Idee für eine Kontaktstelle, die diese therapeutischen Hilfen für Flüchtlinge koordinieren soll. Die Diakonie Kempten Allgäu hat dafür bereits zwei Stellen á 15 Stunden für Sozialpädagogen/ Sozialarbeiter ausgeschrieben. Sie sollen möglichst in den nächsten Wochen besetzt werden. Finanziert wird das regionale Projekt durch die Stiftung Welten verbinden, das Diakonische Werk Bayern und das Sozialministerium.

Zu den Aufgaben der Kontaktstelle gehört es, Ansprechpartner für die Asylsozialberater auf der Suche nach Psychotherapeuten/ Psychiatern für Behandlung und Gutachten  zu sein, der Aufbau eines Netzwerkes von Psychotherapeuten, Psychiatern, Dolmetschern, Asylsozialberatern, Ehrenamtlichen und Behördenvertretern, „Uns ist wichtig, dass dabei auch bestehende Netzwerke genutzt werden“, so die Diakonie-Geschäftsführerin.

Außerdem geht es um die Vermittlung von   tagesstrukturierenden Maßnahmen für psychisch instabile, therapiebedürftige Asylsuchende und Flüchtlinge sowie die Verbindung mit bestehenden Angeboten. Und natürlich ist die Begleitung der in Therapie befindlichen Asylsuchenden und Flüchtlingen ebenso Teil der Arbeit. Wie gesagt: in vielen Fällen ist es mit „Sattsein und ein Dach über dem Kopf“ nicht getan….

Kempten/ Oberallgäu (mori)

TAFF-Logo

Wortweiser: TAFF
Das Projekt Therapeutische Angebote für Flüchtlinge (TAFF)
des Diakonischen Werkes Bayern und der Stiftung Welten verbinden will die psychotherapeutische Versorgung von Flüchtlingen und Asylsuchenden, die nach Bayern kommen, verbessern. Die Schirmherrschaft hat Deborah Bedford-Strohm, die Frau von Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm der Evang.- Luth. Kirche in Bayern. Deborah Bedford-Strohm ist selbst Psychotherapeutin. Taff soll es zunächst in zwei Modellregionen geben – in Oberfranken und im Allgäu.