Sprachvermittler

Ausbildung zum Kultur- und Sprachvermittler

Bei einem Beratungsgespräch sind in der Regel zwei Personen beteiligt: Der Klient und der Berater. Wie aber ist das, wenn aufgrund der Sprachprobleme von Migranten eine dritte Person, ein Dolmetscher anwesend sein muss? Genau um diese Thematik ging jetzt bei einer Qualifizierung als Sprach- und Kulturvermittler im Rahmen des TAFF-Projektes (Therapeutische Angebote für Flüchtlinge) der Diakonie Kempten Allgäu. 16 interessierte Dolmetscherinnen und Dolmetscher für persisch, arabisch, tigrinia, bosnisch, französisch  nahmen an der Ausbildung durch Markus Bernhard und Christa Röger-Emerich (Projekt kunter Mund des Diakonischen Werks Augsburg) unter Mitwirkung der KoordinatorInnen des TAFF-Projekts Anja Voigt (Sozialpädagogin, Kempten) und Sait Eroglu (Psychologe, Sonthofen) teil.

Sprachvermittler

Das sind die frisch gebackenen Sprach- und Kulturmittlerinnen und –mittler im Rahmen des TAFF-Projektes der Diakonie Kempten Allgäu. Unser Foto zeigt sie zusammen mit Dr. Stefan Schmid vom Projekt der STIFTUNG WELTEN VERBINDEN (links hinten), Miriam Duran vom Landratsamt Oberallgäu (2.v. links hinte) sowie Referent Markus Bernhard (links vorne), Philipp Wagner, Integrationsbeauftragter der Stadtverwaltung Kempten(rechts außen vorn), Psychologe Sait Eroglu von der Diakonie Kempten Allgäu (hinten rechts) und seine Kollegin Anja Voigt (neben ihm). Foto: Stefan Schmid (Selbstauslöser)

Die inhaltlichen Schwerpunkte lagen dabei auf den Aufgaben und Arbeitsfeldern eines Sprach- und Kulturmittlers. „Aus dem Dialog zwischen Berater und Klient wird durch die Teilnahme der dritten Person eine „Triade““, erklärte Sait Eroglu, Psychologe. „Der Kultur- und Sprachmittler oder die Kultur- und Sprachmittlerin muss sich positionieren, ihre Rolle finden.“ Er oder sie dürfe nicht eigene Befindlichkeiten, Sympathien oder Emotionen mit in die Übermittlung einbringen. „Das würde die inhaltliche Problematik stören, ja vielleicht sogar verändern.“ Andererseits gehe es darum, die kulturellen Unterschiede, Werte, Normen oder auch Differenzen zu beachten. So gab es bei der Ausbildung genaue Regelungen für die Zusammenarbeit im Rahmen der Berater-Übersetzer-Klienten-Triade. „Die Übersetzung muss neutral erfolgen und unterliegt selbstverständlich der Schweige-pflicht!“ so Eroglu weiter.

Sowohl das Landratsamt Oberallgäu als auch die Stadt Kempten unterstützen das Projekt „Taff“ zur Dolmetscherfinanzierung. „Das ist sehr ungewöhnlich und modelhaft“, betonte Dr. Stefan Schmid vom Projekt der STIFTUNG WELTEN VERBINDEN.

Insgesamt wurde die Qualifizierung in zwei Blockeinheiten absolviert. Den Abschluss bildete in Kempten ein gemeinsames, internationales Festessen mit der feierlichen Übergabe der Sprach- und Kulturvermittler  (SKM) – Zertifikate. Die Sprach- und Kulturmittler werden übrigens nicht nur bei psychologischen Beratungen, sondern auch bei medizinischen Gesprächen oder Kontakten mit einer Fachbehörde benötigt.

Parallel zu den Dolmetschern wurden auch die Psychotherapeuten/ PsychiaterInnen in drei Modulen auf die Arbeit mit Geflüchteten vorbereitet. Bei der gemeinsamen Abschlussveranstaltung war für die Dolmetscher und Therapeuten Barabara Abdallah-Steinkopf von Refugio München als Referentin dabei. Auch nahmen für die Stadt Kempten Philipp Wagner, Integrationsbeauftragter der Stadtverwaltung, und Miriam Duran vom Landratsamt Oberallgäu an dem Abschlusstreffen teil. (mori)


„SprachVermittler Sankt Mang“ für Kinder

Aktuell leben in der Illerstadt mehr als 150 Kinder im Grund- und Mittelschulalter, die kaum oder gar kein Deutsch können! Sie sind über den EU-Zuzug mit den Eltern nach Kempten gekommen oder als Asylbewerber. Die Schulen allein sind mit der Problematik überfordert. Denn neben dem täglichen Unterricht in einer für diese Kinder noch fast völlig unverständlichen Sprache, fehlt den Mädchen und Buben auch die ganz normale Alltagsbegegnung. – Vor gut einem Jahr entstand daher auf Initiative des Stadtteilbüros Sankt Mang zusammen mit den drei Schulen des Stadtteils die Idee zu dem Projekt „SprachVermittler Sankt Mang“. Danach fördern zehn  Sprachvermittler während einer Schulwoche in Kleingruppen oder im Einzelunterricht spielerisch bei Kindern mit Migrationshintergrund die deutsche Sprache. In diesen Tagen zogen Quartiersmanagerin Mareike Helm, die Schulleiter sowie Vertreter der Stadt eine erste Bilanz. Die wesentliche Nachricht: „Wir brauchen mehr ehrenamtliche Sprachvermittler“, so Schulrat Johann Fasser. „Jeder kann das.“

Der Erfolg des Projektes, erstfinanziert von der  Dr. Rudolf Zorn-Stiftung, und nachhaltig gesichert durch die Initiative „Kempten vermittelt Sprache“, ist begründet in der individuellen und unmittelbaren lockeren, spiele-rischen Förderung durch die Sprachvermittler. „Die Kinder werden aus Unterrichtsstunden wie Geschichte, Religion oder Ethik genommen, und erlernen mit den Sprachhelfern die Uhr, verschiedene Bräuche, Jahreszeiten, wie eine Wohnung eingerichtet ist, was man alles einkaufen kann.

Wichtig ist dabei in erster Linie das Sprechen und Lesen mit den Kindern. Neben der Schule können sich die Sprachhelfer natürlich auch noch im nachbarschaftlichen Zusammenleben einbringen. „Spielerisch, lebenspraktisch und ohne Leistungsdruck lernen die Kinder so Deutsch“, erzählt Helm. „Schüler aus höheren Klassen, Studenten, Senioren können als Sprachvermittler tätig sein.“

Als einen Glücksfall sieht es die Quartiersmanagerin an, dass sich das Sankt Manger Projekt mit Gerhard Schneid, Fachberater für Migration und Deutsch als Zweitsprache, zusammengebracht werden konnte. Schneid ist nämlich auch zugleich fachlicher Koordinator der Initiative „Kempten vermittelt Sprache“. Schneid sieht es als wichtig an, endlich den Schritt in die Öffentlichkeit zu tun, um noch mehr Mitmacher  zu motivieren.

Regine Liebhaber, Beauftragte des Stadtrats für Jugend und Familie, nannte es eine gesamtstädtische Initiative, ein Netzwerk, das für die Entwicklung und Sprachkompetenz der jungen Menschen wichtig sei. „Das unterstützt die Willkommenskultur.“

Für Schulrat Fasser ist es eine humanitäre Verpflichtung und Herzensangelegenheit. Thomas Baier-Regnery, Leiter der städtischen Jugendarbeit, meinte: „Wir sind aufgefordert, alle mitzumachen, damit das Miteinander gelingt.“ Das Netzwerk nannte er einen unbürokratischen Schulterschluss. Und er erinnerte, das Siegfried Oberdörfer, Integrationsbeauftragter der Stadt, schon immer ein Augenmerk auf die Unterstützung der Kleinsten gehabt hat. Die Begeisterung der Gruppen in Sankt Mang, Thingers, im Haus International oder in der Suttschule sei ansteckend. 

Die Sprachvermittler erhalten übrigens eine Schulung vor der ersten Begegnung mit den Kindern. Interessenten können sich dazu an das Stadtteilbüro, Telefon 0831-9605700 oder info@sanktmang.de wenden.

Kempten (mori).