Dekanatssynode

Die Delegierten der Kirchengemeinden des Evang.-Luth. Dekanatsbezirks Kempten haben sich in Oberlöchlers zu ihrer ersten Dekanatssynode der neuen Legislaturperiode getroffen. Die Synode besteht zu zwei Dritteln aus nichtordinierten Mitgliedern und ist als Dekanatsparlament ein wichtiges Leitungsgremium. Daher mussten die Synodalen zunächst ihre beiden ehrenamtlichen Vertreter für das Präsidium wählen und anschließend über die Besetzung des beschließenden Dekanatsausschusses abstimmen. Als Präsiden wurden mit großer Mehrheit gewählt Ann-Kathrin Ulreich (32) von der Matthäuskirche Kempten und Hans Ehrenfeld (65) von der Täufer Johannis Kirche Sonthofen. Gewählt wurden außerdem 20 Mitglieder des Dekanatsausschusses, der sich nicht nur aus Gemeindevertretern zusammensetzt, sondern dem auch verschiedene Funktionsträger aus dem Dekanat angehören. Drei Mitglieder wird der Ausschuss selbst noch nachberufen. Auf den Dekanatsausschuss warten in den nächsten sechs Jahren so wichtige Themen wie die Umsetzung eines neuen Landesstellenplans oder Grundsatzfragen zur Immobiliensicherung und –bewirtschaftung.

Hier finden Sie die aktualisierte Mitgliederliste der Dekanatssynode mit Dekanatsausschuss und ein Materialarchiv.

Präsidium DB Kempten

Das Präsidium des Evang.-Luth. Dekanatsbezirk ist wieder vollständig. Von links: stellv. Dekan Wolfgang Krikkay (Neugablonz), die neuen Präsiden Hans Ehrenfeld und Ann-Kathrin Ulreich, Dekan Jörg Dittmar und stellv. Dekan Joachim Spengler (Füssen). Foto: J. Martin

Zwischen den Wahlgängen stellte Dekan Jörg Dittmar seinen Dekansbericht vor, der sich diesmal schwerpunktmäßig der Ökumene widmete. Im Blick auf die aktuellen Entwicklungen sagte Dittmar, dass sie vielfach vom Stand persönlicher Beziehungen abhängig seien. Umso mehr gelte es die Ökumene überall dort zu fördern, wo sich dazu Chancen eröffneten. Sehr kritisch bewertete der Dekan die Gemeindeentwicklungsstrategie der Diözese Augsburg. Es entstünden Gemeindeverbünde, die unorganisch und pastoral kaum zu bewältigen seien. Dadurch scheine die katholische Kirche aus der Fläche zu verschwinden. Dies betreffe in der Diaspora die evangelische Kirche insofern mit, als dies die Entkirchlichung des Landes massiv beschleunige.

Ausführlich äußerte sich Dekan Jörg Dittmar zu den Missbrauchsfällen, der medialen Berichterstattung sowie zur neuen Studie des Ulmer Professors Dr. Jörg Fegert. Dieser setzt für beide Kirchen jeweils 114.000 Fälle sexuellen Missbrauchs an, wobei er die Zahlen errechnet hatte aus Umfragen und repräsentativen Hochrechnungen auf die Gesamtbevölkerung. Kein Wunder also, so Dittmar, dass die Forscher einer von der katholischen Kirche in Auftrag gegebenen Studie vollkommen andere Fallzahlen vorlegen. Zwischen 1946 und 2014 erfasste sie 3.677 Opfer. Eine vergleichbare Studie liege für die Evangelische Kirche in Deutschland zurzeit noch nicht vor, aber für die Landeskirche Niedersachsens seien seit 1950 107 Fälle aktenkundig und in der bayerischen Landeskirche 25. Es sei zwar mit einer hohen Dunkelziffer zu rechnen, aber die Differenzen zu den Ergebnissen von Prof. Dr. Fegert blieben eklatant. 

Selbstverständlich entschuldigten die Zahlen keinen einzigen Fall und den Opfern könnten sie in keinster Weise helfen, aber sie zeigten, dass die mediale Berichterstattung sachgemäßer ausfallen könnte. Insbesondere kann ich „nicht akzeptieren, dass wir in der Missbrauchsdebatte undifferenziert mit der röm. Kirche in eine Ecke gestellt werden“, sagte Dittmar.

Im Blick auf die Entwicklung der evangelischen Kirche in Bayern forderte Dittmar von der Kirchenleitung vor allem Klarheit in den Entscheidungen, Rückenwind für die Arbeit vor Ort und ein stetes Bemühen um Transparenz in Finanz- und Personalentscheidungen. Zudem fehle es an einem konstruktiven, seelsorgerlichen und theologischen Umgang mit dem Mitgliederverlust. Er selbst sehe die Kirchenaustritte als Teil eines gesellschaftlichen Megatrends, der weder mit Strategien noch irgendwelchen Maßnahmen zu stoppen sei. „Wir wandeln uns von der Volkskirche zur Beteiligungskirche. Und wir erleben eine Entsolidarisierung in aller Breite“, sagte der Dekan. Christen dürften trotzdem fröhlich bleiben, denn sie säten nicht auf Effizienz, sondern auf Hoffnung und ein Reich, das erst noch komme.

DA 2019

Der neue Dekanatsausschuss. Von links
1. Reihe: Martin Strauss, Jutta Martin, Joachim Spengler
2. Reihe: Hans Ehrenfeld, Sandra Höllisch, Heide Holzäpfel, Bruno Fischle, Jörg Dittmar, Bärbel Hehemann
3. Reihe: Andreas Huber, Benedikt Geiger, Ann-Kathrin Ulreich, Wolfgang Krikkay, Vitus Schludermann, Dr. Michael Brandt, Frank Wagner

Kempten, 28.3.19 / Jutta Martin Öffentlichkeitsarbeit