Aktuelles

April 2017

Das Projekt geht weiter

(mori) Die neuen Zahlen belegen es: Die Arbeit von TAFF (therapeutische Angebote für Flüchtlinge) im Allgäu tritt in eine neue Phase ein: „Die Klientenzahlen sind deutlich gestiegen und es gibt mehr Beratungsbedarf“, resümierte Psychologe Sait Eroglu (Immenstadt) den dauerhaften Einsatz von TAFF. „Wenn wir von etwa 2000 Geflüchteten ausgehen, die im Allgäu untergekommen sind, dann haben 2016 knapp 100 von ihnen Hilfe bei uns in Immenstadt und Kempten gesucht. Insgesamt gab es über 260 Kliententermine!“ Dementsprechend stehen auch 2017 einige Projekte an, um die Arbeit von TAFF zu intensivieren. Bei einem Pressegespräch in Kempten legte das Allgäuer Team Sait Eroglu und Katrin Layh aus der Diakonie Kempten Allgäu zusammen mit Dr. Stefan Schmid (Stiftung „Welten verbinden“) interessante Zahlen aus 2016 vor und gab gleichzeitig einen Ausblick auf das laufende Jahr.

Neu im Team ist Kerstin Layh. Obwohl erst kurz im Team, hat sich die Neubesetzung der Kontakt- und Koordinierungsstelle bei Taff unter den Beratungssuchenden bereits herumgesprochen. Sie wie auch Eroglu bekommen die Sorgen und Ängste der Geflüchteten hautnah zu spüren: „Ich habe den Kopf voll“, „Ich kann mich nicht konzentrieren“, „Die Angst erdrückt mich“, „Ich vergesse so viel“… sind nur einige der Aussagen, die einen kleinen Eindruck von den Belastungen der Asylbewerber wiedergeben.

TAFF-Team Kempten
In den Räumen des Wilhelm-Löhe-Hauses  stellte sich jetzt das neue Team von Taff vor und präsentierte gleichzeitig einige Zahlen aus dem vergangenen Jahr: Neu im Team (v.r.) neben Sait Eroglu und Dr. Stefan Schmid ist Katrin Layh. Sie ist seit dem 1. April die Nachfolgerin von Anke Voigt und hat ihr Büro in der Gemeinschaftsunterkunft im Freudental (ehemals BKH). Foto: moriprint


„Wer so posttraumatisiert ist, der tut sich auch schwer mit dem Lernen. Zumal Deutsch ohnehin eine schwere Sprache ist“, so Sait Eroglu. Hinzu kommen die Unterschiedlichkeiten wie eine unterschiedliche Kultur, das verschiedene Zeitgefühl, die Zielstrebigkeit und Sachorientierung der Deutschen – um nur einige Punkte zu nennen.

Froh ist Dr. Stefan Schmid, dass der „Modellcharakter“ von TAFF inzwischen überwunden ist: „Wir sind gerade dabei, nach Oberfranken und dem Allgäu in Neu-Ulm/ Günzburg/ Dillingen und Mühldorf  eine neue Taff-Region aufzubauen und ebenso arbeiten wir in Starnberg sehr eng mit der dortigen Caritas in der Betreuung zusammen.“ Finanziert vom Sozialministerium bekomme das Anliegen von Taff auch sehr viel „moralische“ Unterstützung vom Gesundheitsministerium. In diesem Zusammenhang betonte er die Weitsicht des Diakonischen Werkes bei der langfristigen Anlage von TAFF. „Traumata und andere psychische Symptome treten nicht sofort bei der Ankunft in Deutschland auf, sondern oft erst nach Monaten oder Jahren. D.h. auch die Menschen mit einer Duldung oder Anerkennung brauchen uns!“ ist sich Sait Eroglu sicher.

Für den Sommer steht daher eine weitere Zertifizierung für die Sprach- und Kulturvermittler an, gerade im Bereich der psychischen Störungen und deren Therapien. Zudem soll es ab September ein erstes Gruppenangebot für Frauen aus einem Kulturkreis geben. „Am liebsten mit einer parallelen Kinderbetreuung.“ Wer sich hier ehrenamtlich engagieren möchte, sei herzlich willkommen. Geleitet wird die Frauengruppe von zwei Therapeutinnen, die an zahlreichen TAFF-Fortbildungen teilgenommen haben und sich intensiv in der therapeutischen Versorgung von Geflüchteten engagieren.

Sait Eroglu: „Mit der Abschiebungsdebatte sind verständlicherweise wieder sehr viel Ängste bei unseren Klienten aufgekommen.“ Aber die Menschen würden wissen: „Wir sind für sie da.“